Wo bist du

Heute Morgen war das wach werden begleitet von Trauer, Schmerz und Ansätzen von Wut. Warum hat man dich mir genommen.

Gemeinsam mit meiner kleinen Emmi gehe ich ins Wohnzimmer. Ich werde heute die restlichen Decken und Teppiche waschen, auf denen du gelegen hast. Ich kann diese nicht mehr an deinen Platz legen. Es tut einfach zu weh, dass du nicht mehr darauf liegst. Ich will sie aber auch nicht weg werfen, also hebe ich sie erst mal auf.
Ein neuer, heller Teppich mit Blumen und Schmetterlingen wird an deinen Platz kommen. Als Symbol für unsere tiefe Verbundenheit, für unsere große Liebe zueinander.

Klein Emmi vermisst dich nicht. Ihr ward immer zwei ganz verschiedene Charaktere, seid aber gut miteinander ausgekommen, habt euch akzeptiert. Ich gebe Emmi ihr Frühstück, dabei hole ich 2 Teller, einen für Emmi, einen für Molly bis ich merke, dass ich ja nur noch 1 Teller brauche.

Heute ist ein Tag, an dem ich ziemlich neben mir stehe, alles scheint so weit entfernt. Dort draußen scheint die Sonne und ich denke an den Sommer, den ich mit dir so gerne noch erlebt hätte. Das Essen schmeckt immer noch nicht wirklich. Wir haben so gerne zusammen gegessen. Ich ein Brot, du ein Brot und Emmi ein Brot. Brot war eines deiner Lieblingsessen. Alles erinnert mich an dich und der dumpfe Schmerz in meiner linken Herzseite verbreitet sich über den ganzen Oberkörper

Es wird ein immer bewussteres Erkennen, dass du nicht mehr da bist. Deine Bilder anzuschauen, bringt mich fast um. Was hast du mir bedeutet, dass das so weh tut. Ich suche nach einer Antwort und finde sie nicht.

Was mich besonders quält ist der Gedanke, wo du jetzt bist. Ich weiß es nicht, du bist einfach weg, hinterlässt eine leere Hülle. Was ist aus dem Leben geworden, das in dir war, wo ist es hin. Ob es dir gut geht. Da fällt mir ein, dass ich einmal ein sehr spiritueller Mensch war. Ein Mensch mit einem Glauben an etwas Übergeordnetes, an verschiedene Sphären, in die wir gehen, nach dem Tod. Wir sind nicht fort, wir wechseln nur die Räume. Komisch, dass man gerade in schweren Stunden, den Glauben verliert.

Irgendwie habe ich den Tag rum gebracht. Nichts geht so wirklich gut von der Hand, meine alte Energie, meine gute Laune, meine Zuversicht, es scheint, als hättest du alles mit genommen. Es naht der Abend und ich werde immer weniger ansprechbar – lasst mich – alle bloß in Ruhe.

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