Blog von Molly und Ingrid

Allein….

Und überall sind da Spuren deines Lebens, Gedankenfetzen, die in mir hoch kommen. Bilder, die ich kaum anschauen kann, weil es mich innerlich zerreißt. Mit jedem Tag mehr wird die Realität deutlich, dass du weg bist – unwiederbringlich weg Vor genau 14 Tagen habe ich dich heim geholt in einer Urne. Deinen Platz habe ich in meinem Schrank vorbereitet und nun bist du eingezogen, das bisschen Asche, was von dir bleibt. Ich werde dir ab nun immer ein paar Blumen bringen, damit du den Wind und die Natur spüren kannst, die du in den letzten gemeinsamen Tagen so in dich eingesogen hast, als wären sie dir fremd, als wüsstest du nicht, was das ist.   Es ist schon komisch. Ich habe mal gelernt, dass man um ein Tier nicht weinen darf. Es ist doch nur ein Tier; viel schlimmer ist es wenn ein Mensch stirbt. Als könnte man Verluste aufwiegen. So schäme ich mich manchmal um das, was ich fühle und um das, was ich hier aufschreibe.

Als ich geboren wurde, habe ich Augen zum Sehen und ein Herz zum Lieben bekommen, doch keiner hat mir gesagt, dass ich mit den Augen weinen und mit dem Herz leiden muss  © https://zitatelebenalle.com/ 

Es hat mich beruhigt, dass ich dich endlich heim holen konnte. Doch seit diesem Tag fühle ich mich wie betäubt. 9 Jahre Glück, Freude, Licht, Liebe und eine immense Energie, die sich daraus ergab, sind wie ausgelöscht und weichen einer Leere in mir und dem Wissen, wieder dort zu sein, wo ich damals war.

Allein…

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Scherbenmeer

Heute habe ich deinen kleinen Körper weg gebracht.  Es war deine letzte Fahrt in unserem Auto wo dein Körper noch vollständig war. Am Donnerstag werde ich dich heim holen, die Überreste dessen, was dich ausmachte, nur die Asche bleibt. So wenig sind wir auf dieser Erde und glauben doch so viel zu sein.  Das sind die Momente im Leben, wo man sich demütig fühlt, wo man weiß, was wirklich zählt.

Mit jeder Minute, wo das Leben aus dir wich hast du dich verändert.  Dein Körper ist kalt geworden, hat letzte Flüssigkeiten verloren, deine Augen sind starr und ohne Leben.  Ich habe über dein weißes Fell gestreichelt. Es fühlt sich noch immer  weich an, so als wärst du noch am Leben. Aber  du bist es nicht mehr, deine starren Augen, der hart gewordene Körper erschrecken mich

– wo bist Du?

Wo ist das, was dich ausgemacht hat.  Wirst du nun Angst haben ohne mich. Wirst du mich suchen. Wie wirst du klar kommen ohne mich. Werden dir die Hunde im Regenbogenland Angst machen, du bist doch auf Erden immer vor ihnen davon gelaufen. Gibt es überhaupt ein Regenbogenland oder ist das nicht alles erfunden.

Ich weiß es nicht.
Leere macht sich breit.

Im Radio singt Andrea Berg:

“Mosaik”

In “meinem” Scherbenmeer kann ich kein buntes und schönes Mosaik sehen und auch der Morgen verspricht mir keine Linderung. Das Licht an dieser Stelle meines Lebens ist  erloschen. Du bist weg und kehrst nicht mehr zurück.  Da, wo in meinem Herzen die Liebe zu dir war, ist nun ein dumpfer Schmerz geblieben.

Ziemlich gefasst gehe ich in das Krematorium. Es kommt mir schon jemand entgegen. Wollen Sie noch Abschied nehmen, fragt er mich. Nein, ich habe das bereits. Ich suche dein neues Zuhause für die Überreste deines Körpers aus – eine Urne mit Pfötchen drauf und ach ja, da gibt es noch Ketten, wo man einen Rest Asche rein machen kann, das muss ich auch noch haben. So werde ich einen Teil von dir um meinen Hals tragen können. Es macht mich etwas stolz, dass du auf diese Weise noch bei mir sein darfst.

Ich fahre nach Hause. Du wirst mir heute nicht entgegen kommen und dich freuen. Das Haus ist leer ohne dich. Das Essen schmeckt nicht. Du liegst nicht auf deinem Platz und hast mich im Auge. Du bist weg. Ich bin müde, müde und erschöpft und ich gönne mir endlich eine Auszeit. Ein wenig Schlafen.

Das Aufwachen ist scheußlich. Es ist wie ein Albtraum, ein bewusst werden, wie ein Klatsch vor den Kopf

– Du bist nicht mehr da.
– wirst nie mehr da sein
– nie mehr.

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