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Scherbenmeer

Heute habe ich deinen kleinen Körper weg gebracht.  Es war deine letzte Fahrt in unserem Auto wo dein Körper noch vollständig war. Am Donnerstag werde ich dich heim holen, die Überreste dessen, was dich ausmachte, nur die Asche bleibt. So wenig sind wir auf dieser Erde und glauben doch so viel zu sein.  Das sind die Momente im Leben, wo man sich demütig fühlt, wo man weiß, was wirklich zählt.

Mit jeder Minute, wo das Leben aus dir wich hast du dich verändert.  Dein Körper ist kalt geworden, hat letzte Flüssigkeiten verloren, deine Augen sind starr und ohne Leben.  Ich habe über dein weißes Fell gestreichelt. Es fühlt sich noch immer  weich an, so als wärst du noch am Leben. Aber  du bist es nicht mehr, deine starren Augen, der hart gewordene Körper erschrecken mich

– wo bist Du?

Wo ist das, was dich ausgemacht hat.  Wirst du nun Angst haben ohne mich. Wirst du mich suchen. Wie wirst du klar kommen ohne mich. Werden dir die Hunde im Regenbogenland Angst machen, du bist doch auf Erden immer vor ihnen davon gelaufen. Gibt es überhaupt ein Regenbogenland oder ist das nicht alles erfunden.

Ich weiß es nicht.
Leere macht sich breit.

Im Radio singt Andrea Berg:

“Mosaik”

In “meinem” Scherbenmeer kann ich kein buntes und schönes Mosaik sehen und auch der Morgen verspricht mir keine Linderung. Das Licht an dieser Stelle meines Lebens ist  erloschen. Du bist weg und kehrst nicht mehr zurück.  Da, wo in meinem Herzen die Liebe zu dir war, ist nun ein dumpfer Schmerz geblieben.

Ziemlich gefasst gehe ich in das Krematorium. Es kommt mir schon jemand entgegen. Wollen Sie noch Abschied nehmen, fragt er mich. Nein, ich habe das bereits. Ich suche dein neues Zuhause für die Überreste deines Körpers aus – eine Urne mit Pfötchen drauf und ach ja, da gibt es noch Ketten, wo man einen Rest Asche rein machen kann, das muss ich auch noch haben. So werde ich einen Teil von dir um meinen Hals tragen können. Es macht mich etwas stolz, dass du auf diese Weise noch bei mir sein darfst.

Ich fahre nach Hause. Du wirst mir heute nicht entgegen kommen und dich freuen. Das Haus ist leer ohne dich. Das Essen schmeckt nicht. Du liegst nicht auf deinem Platz und hast mich im Auge. Du bist weg. Ich bin müde, müde und erschöpft und ich gönne mir endlich eine Auszeit. Ein wenig Schlafen.

Das Aufwachen ist scheußlich. Es ist wie ein Albtraum, ein bewusst werden, wie ein Klatsch vor den Kopf

– Du bist nicht mehr da.
– wirst nie mehr da sein
– nie mehr.

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